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Sein Gespür für Erfolg ist einzigartig!

Eberhard Layher – Gründer und Präsident der Technik Museen Sinsheim und Speyer feierte seinen 90. Geburtstag


Als Initiator, Gründer, Förderer und Präsident hat Eberhard Layher den Erfolg der Technik Museen Sinsheim und Speyer erst möglich gemacht.
Dabei sind die Museen nur eine Facette des Lebenswerks von Eberhard Layher, der auch als Erfinder und Unternehmer Maßstäbe gesetzt und aus bescheidensten Anfängen einen kleinen Familienbetrieb an die Weltspitze geführt hat.

Eberhard Layher
Eberhard Layher wird am 8.9.1921 in Brackenheim geboren, einem kleinen Städtchen im Zabergäu, nur wenige Kilometer von Heilbronn entfernt. Wenig später zieht die Familie in den Raum Stuttgart um, wo sein Vater, Wilhelm Layher, diverse Unternehmungen betreibt. Es sind wirtschaftlich schwierige und politisch unruhige Zeiten, die er mit seinen Eltern und seinen zwei Geschwistern erlebt.
Erst kommt die Hyperinflation von 1922/23, dann, nach wenigen Jahren relativer Ruhe, die wirtschaftliche Not der Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre. Diese Zeit gräbt sich so tief in sein Bewusstsein ein, dass er sie später als die schlimmste seines Lebens bezeichnet, die ihn mehr als alles andere geprägt hat. Und dabei steht ihm in den folgenden Jahren noch einiges mehr bevor. 1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht.
Für Eberhard Layher bedeutet dies, nach dem Abschluss seiner kaufmännischen Ausbildung, im Alter von 18 Jahren zunächst die Verpflichtung zum Reichsarbeitsdienst, und im Februar 1941 die Einberufung zur Wehrmacht. Obwohl er den Russlandfeldzug vom ersten Tag an bis zum bitteren Ende durchmachen muss, gelingt es ihm, diese Zeit mit Geschick und Glück, zwar schwer verwundet, aber immerhin lebendig, zu überstehen.
Dabei kommt ihm sein Erfindungsreichtum, der ihn auch später als Unternehmer und Museumsgründer so sehr auszeichnen sollte, zu Gute, wie die von ihm wie folgt beschriebene Episode aus seiner Zeit als Fernmelder bei einer Nachrichtenkompanie anschaulich belegt: „Unsere Fernmeldeeinheit hatte im Durchschnitt etwa 15 – 20 km Telefonleitungen liegen, zum Teil auf dem Boden, zum Teil auf Masten oder Stangen. Diese Leitungen mussten bei einem Angriff bis zum letzten Moment in Betrieb sein. Erst wenn alles zusammengebrochen war und wir von allen Seiten beschossen wurden, durften die Leitungen abgebaut werden. Dies bedeutete, aufrecht laufend mit einem Kabelaufroller mit Handkurbel vor der Brust diese Kabel aufrollen. Wer sich zurückzog und die Telefonkabel zurückließ, kam vor das Kriegsgericht. Dies war natürlich lebensgefährlich.
Ich habe mir dann Gedanken gemacht, was man tun kann. Wir haben auf Bahnhöfen und an Bahnstrecken rostige Eisendrähte abgebaut und diese als Telefonleitung provisorisch an Stangen, an Ästen von Bäumen und ähnlichem angebracht. Als Isolatoren nahmen wir alte Flaschen. Mit einem gebogenen, erhitzten Kupferdraht hat man den Boden der Flaschen abgesprengt und man konnte sie dann als Isolator verwenden. Im Übrigen waren die Drähte so verrostet, dass dieser Rost auch als Isolation diente. Dies hat funktioniert. Wir haben unser ganzes Telefonnetz mit diesen alten Eisendrähten aufgebaut. Unsere Wehrmachtskabel hatten wir wunderschön aufgerollt und in Ordnung und haben sie marschbereit auf unserem Wehrmachts-Kfz 70 verladen, so dass wir immer rückmarschbereit waren. Beim Rückzug mussten wir die rostigen Eisendrähte natürlich nicht abbauen.“
Nach der glücklichen Rückkehr aus dem Krieg steht er, mit seinen Eltern und den beiden Geschwistern, wie Millionen andere Deutsche vor dem Nichts. Das Wohnhaus in Stuttgart ist im Frühjahr 1944 einem Bombenangriff zum Opfer gefallen, was seinen Vater veranlasst, in das heimische Zabergäu zurückzukehren, um dort für die Familie eine Notunterkunft einzurichten und einen kleinen Produktionsbetrieb für landwirtschaftliche Gerätschaften aufzubauen.
„Als ich vom Krieg Anfang August 1945 nach Eibensbach zurückkam, hatte mein Vater eine Werkstatt eingerichtet und hatte eine Tagesproduktion von 10 – 15 Rechen und Sensen“, erinnert sich Eberhard Layher später. „Am Tag meiner Heimkehr – ich war stark abgemagert und mein Beckendurchschuss machte mir noch zu schaffen – sagte mir mein Vater gegen Abend: ,Sei doch so gut und tu’ mir den Gefallen und geh’ morgen um halb sechs mit den Taglöhnern in den Ochsenbacher Wald zum Holz machen.’ Aus Familienverbundenheit war das für mich selbstverständlich. Ich ging mit und war nun Oberholzhauer im Ochsenbacher Wald. Das war dann der Beginn der Nachkriegszeit.“
Was danach folgte, war eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, die selbst für die deutschen Wirtschaftswunderjahre außergewöhnlich war. Zunächst befasst sich der Betrieb mit der Herstellung diverser Holzstangenerzeugnisse, insbesondere für die Landwirtschaft. Mit dem beginnenden Bauboom der Wiederaufbauzeit ergibt sich dann ein neues Geschäftsfeld, speziell bei der Produktion von Baugerüsten, die die Firmenleitung konsequent wahrnimmt.
Obwohl traditionell der Holzverarbeitung verbunden, erkennt Eberhard Layher, dass der Werkstoff Holz im Bausektor keine Zukunft hat, und stellt den Betrieb schrittweise auf Metallverarbeitung um. Eine riskante Entscheidung, die sich aber lohnen sollte. Mit dem ihm eigenen Erfindergeist und dem Gespür für das Machbare, der ihm während seiner Soldatenzeit vermutlich das Leben gerettet hat, sucht er nach Wegen, den Gerüstbau einfacher, sicherer und leistungsfähiger zu machen.
1965 gelingt ihm der Durchbruch mit seiner Erfindung „Layher Blitzgerüst“, einem genialen Steckgerüst, das den Aufbau in einer bisher noch nie da gewesenen Einfachheit und Stabilität ermöglicht.
1974 entwickelt Eberhard Layher das bahnbrechende „Allround-Gerüst“. Seine Gerüstsysteme werden in zahlreichen Patenten weltweit geschützt und bilden heute noch den Kern des Unternehmens. Sie machen den kleinen Familienbetrieb binnen weniger Jahre zum Marktführer. Der Kölner Dom, der Arc de Triomphe, sogar der Eiffelturm und das Brandenburger Tor werden für Sanierungsarbeiten mit Layher-Gerüsten eingerüstet.
Mit 66 Jahren zieht sich Eberhard Layher aus dem Unternehmen zurück. Er setzt sich jedoch nicht zur Ruhe, sondern widmet sich fortan sehr erfolgreich seinen Immobilien. Als Immobilien-Investor ist er Hauptinitiator des Messestandorts Sinsheim sowie zahlreicher anderer wichtiger Firmenansiedlungen in ganz Deutschland.
Nun blieb ihm auch mehr Zeit für sein Lieblingsprojekt, dem Aufbau des Technikmuseums in Sinsheim. Schon immer fasziniert ihn alles was Räder hat und sich dreht. Dampfwalzen bilden den Grundstock seiner Sammlung. Später kommen alte Autos, Motorräder, Landmaschinen, Musikautomaten und vieles mehr dazu.
Besonders wichtig ist für ihn dabei die Funktionsfähigkeit. Einen Oldtimer als leblose Hülle in eine Garage zu stellen ist für ihn undenkbar. Erst wenn ein Relikt soweit wieder hergestellt war, dass es seine ursprüngliche Funktion erfüllen konnte, war er zufrieden.
Genauso wichtig ist es ihm aber auch, mit Anderen seine Freude an der alten Technik zu teilen. So ergibt es sich von selbst, dass er den Entschluss fasst, seine inzwischen beachtliche Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ihn fasziniert schon lange die Idee eines lebendigen Museums. Er will die Exponate in Funktion zeigen. Sie sollen im wahrsten Sinne beweglich und begreifbar sein. Um das zu verwirklichen, gründet Eberhard Layher einen Museumsverein, dem er heute noch als Präsident vorsteht.
Durch sein innovatives Museums-Konzept setzt Eberhard Layher neue Maßstäbe und erfährt international großen Respekt und Anerkennung. Sein wichtigstes Ziel ist heute erreicht, mit über einer Million Besucher jährlich tragen sich die Technik Museen selbst – völlig ohne öffentliche Zuschüsse. Das erfüllt ihn mit stiller Genugtuung. Der Förderverein hat heute weltweit über 2000 Mitglieder.
Den Anfang macht 1981 das Auto & Technik Museum Sinsheim, das sich unter seiner Präsidentschaft binnen weniger Jahre zu einem Besuchermagneten im Rhein-Neckar-Gebiet entwickelt. 1990 erwirbt er in Speyer das ehemalige Firmengelände der Pfalz-Flugzeugwerke, das zuletzt als Kaserne gedient hatte, und initiiert die Gründung des Technik Museum Speyer.
Hier kann er sich einen ganz besonderen Traum erfüllen, die Einrichtung eines kleinen „Museums im Museum“, in dem der Musikliebhaber Eberhard Layher seine weltweit einzigartige Sammlung mechanischer Musikinstrumente der Öffentlichkeit präsentieren kann. Im Andenken an seinen Vater Wilhelm Layher erhält das im Jahr 2000 eröffnete Ausstellungsgebäude den Namen „Museum Wilhelmsbau“. Aber Eberhard Layher wäre nicht Eberhard Layher, wenn er sich nur mit der Vorführung der Musikautomaten zufrieden gegeben hätte.
Immer wieder überrascht der geschickte Klavier- und Akkordeonspieler Gäste, die er durch das Museum führt, indem er sich spontan an eines der Klaviere setzt, und eine kleine Kostprobe seines musikalischen Könnens gibt.
In über 60 Jahren unternehmerischer Tätigkeit hat Eberhard Layher einen kleinen Familienbetrieb zum Marktführer entwickelt, ein bedeutendes Immobilien-unternehmen und die größten privaten Technikmuseen in Europa aufgebaut. Eine außergewöhnliche Lebensleistung!
Als Wertschätzung seines Lebenswerks verleiht ihm die Bundesrepublik Deutschland 1980 das Bundesverdienstkreuz. Güglingen zeichnet den erfolgreichen Unternehmer mit dem Ehrenring aus. Sinsheim verleiht ihm 2001 als Initiator von Museum und Messe die Karl-Wilhelmi-Ehrenmünze und widmet ihm im selben Jahr die Eberhard-Layher-Strasse direkt am Museum. Die Stadt Speyer würdigt ihn mit der Verdienstmedaille der Domstadt.
Als Unternehmer, wie als Mensch, hat sich Eberhard Layher immer als Teil der Region verstanden, der er entstammt. Mit seinem umfassenden technischen und historischen Wissen – aber auch mit seinem hintergründigen Humor – hat er alle, die ihm begegnet sind, immer wieder aufs Neue verblüfft.
Seine Kraft schöpft der passionierte Jäger aus der Liebe zu seiner Heimat, zur Natur
und ganz besonders aus seiner großen Familie, die ihm das Wichtigste ist. 2009 muss Eberhard Layher, nach 58 glücklichen gemeinsamen Jahren, den Tod seiner Ehefrau verkraften. Margot Layher hat an seiner Seite den Aufbau der Museen vom ersten Tag an tatkräftig unterstützt und ist als gute Seele des Museums unvergessen.
Die Begeisterung für die Technik gab Eberhard Layher an seine Kinder weiter. Weitsichtig hat er die Weichen gestellt, dass sein Lebenswerk in seinem Sinne weitergeführt wird. Heute kümmert sich Sohn Hermann als Museumsleiter um den täglichen Museumsbetrieb. Das Museumsgelände ist in einer Stiftung.
Mit diesen wenigen Zeilen die Lebensleistung von Eberhard Layher zu würdigen, muss ein unvollendetes Werk bleiben.
Einmal auf schlechtes Wetter angesprochen, antwortet Eberhard Layher: „Für mich ist jeder Tag schön!“ Dies ist wohl die Einstellung, die man haben muss, wenn man etwas erreichen will im Leben.