Schlangen-Allianz – der ZabergäuKrimi
Lesung: 16.12. Buchhandlung Taube, Brackenheim
Am frühen Abend durchlaufen meine 230 Zugpferde die schmalen Tore des ländlichen Botenheim, unweit der namhaften Heuss-Stadt Brackenheim. Der Akte nach dürften es nicht viel mehr als eintausend Seelen sein, welche sich innerhalb dieser kleinbemessenen Dorfgemarkung zu Hause fühlen.
Eintausend Menschen – das sind verschwindend ge-ringe 0,8 Prozent der Heilbronner Population!
Mein Oberstübchen, dem auch heute keine navigatorische Prothese zur Verfügung steht, hat zunächst keine rationale Vorstellung davon, in welche der verwinkelten Nebenstraßen es hier letztendlich einzubiegen gilt. Was bleibt mir nun anderes übrig, als wieder einmal die Nase in die Straßenkarte zu stecken.
Zu meinem Glück steht der Moritz-Bleibtreu-Ring für keines dieser verunglückten Viertel, die ich als irgend- ein zum Himmel schreiendes Habitat für Asylbewerber, Staatenlose, Frauenunterdrücker, amtlich Diskriminierte, Notbetrüger, Freizeitjunkies und dergleichen mehr bezeichnen könnte; ergo für keinen dieser Heilbronner Höllenvorhöfe, die mich in letzter Zeit bemerkenswert oft meiner Tage beraubten.
Auch noch lange nach Weihnachten so bemerkens-wert, so ungewöhnlich, so undankbar oft, dass mir diese Abwechslung nicht schaden kann.
Das möchte ich jedenfalls glauben und ziehe – während ich bereits versonnen die Straße überquere – das Selbstverständliche einer friedvollen Dorfcouleur, welche hier aus jedem Winkel strömt, tief in meine Lungen hinab.
Reihenhaus Numero 11/4.
Ein ausgeblichenes Tonschildchen, gleich links neben der vierten Haustür, hält mit letzter Farbenkraft zwei Namen für mich bereit:
Sinja Wiepke
Anton Grüneder
Ohne jeglichen Zweifel ist meine Spürnase hier richtig.
Goldrichtig.
Schon nach dem ersten Klingeln tönt durch die Sprechanlage eine männliche Stimme: »Ja? Hallo?«
»Guten Tag, Herr Grüneder – vermute ich. Magnus hier, Darius Magnus – Kripo Heilbronn . . . «